Steigzahlen

Ralph Weibel | veröffentlicht am 21.10.2020

Sitze in meiner Stammkneipe und trinke Bier. Wie es aussieht für längere Zeit letztmals im Stehen und ohne Maske.

Steigzahlen
Nebelspalter | (Nebelspalter)

Nachdem das Coronavirus Rand­regionen wie die Ostschweiz lange gemieden hat, was ich phasenweise als diskriminierend empfand, verirrt sich die weltweite Spassbremse jetzt auch in meine Gegend. Dominiert werden die Gespräche seit Monaten vom selben Thema, das den meisten Leuten zum Halse raushängt. Ist wirklich alles so schlimm oder noch viel schlimmer? «Wir müssen Massnahmen ergreifen», erzählen diejenigen dem Daheimgebliebenen, die gerade aus den Herbstferien aus dem Ausland zurückkommen. Jede und jeder rezitiert noch irgendetwas, dass man von jemandem gehört hat, der es jemandem erzählt hat von dem er es mit Sicherheit weiss, weil dieser entfernte Bekannte das Virus selber gesehen hat und wie es von einem Hund auf eine Katze, von dort auf ein Kind, dessen Eltern an einem Familienfest und letztlich auf Opa Egon übertragen wurde, der dann ganz heftig niessen musste. Wir staunen.

Martin hat lange zugehört und stellt in die wilde Diskussion die einzige intelligente Frage: «Ist es nicht völlig falsch von Fallzahlen zu reden? Eigentlich müssten wir doch von Steigzahlen reden.» Stimmt! Macht die Sache aber auch nicht besser.

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